Gleichstellung

Rede Rita Schilling in der Ratssitzung am 29.06.2015 zum Tagesordnungspunkt Gleichstellungsplan

Redeskript, es gilt das gesprochene Wort.

Sehr geehrte Damen und Herren,

von  beruflicher Gleichstellung zwischen Männern und Frauen  in Wirtschaft, Wissenschaft und Verwaltung kann auch im zweiten Jahrzehnt des 21. Jahrhunderts noch nicht gesprochen werden. Das Ziel ist noch nicht erreicht, aber es wird auf vielen Ebenen darauf hin gearbeitet.

Heute beschäftigen wir uns mit der Struktur der Beschäftigten bei unserer Stadtverwaltung, und können die Zahlen, Analysen und Handlungsziele politisch bewerten.

Wir finden die Begriffe Unterrepräsentanz und Überrepräsentanz hinsichtlich der Verteilung auf die Geschlechter Frauen und Männer.

Bei den knapp 300 Beamtinnen und Beamten gibt es eine eindeutige Überrepräsentanz der Männer in den Besoldungsgruppen A13 und A12. Lediglich in der Gruppe B6 und B5 finden wir 100% weibliche Beschäftigte, unsere Dezernentinnen.  Das sollte uns aber nicht zum Jubeln verleiten lassen. Insgesamt ist da noch „Luft nach oben“!

Die verbeamteten Personen betragen ca. 5,5 %, sodass es wichtig ist, den Bereich der Angestellten genauer zu betrachten. Es steht im Gleichstellungsplan, das Verhältnis sei ausgewogener aber auch hier dominierten die männlichen Beschäftigten die Entgeltgruppen 15, 14, 12 und 11.

Bei den „Frauen in Führungspositionen“ (Seite 45) ist die Gruppe, bestehend aus Dezernats-, Amts- und Fachdienstleitungen um die Bereichsleitung erweitert worden. Die Vergleichszahlen 2015 zu 2012 zeigen eine Erhöhung des Frauenanteils aus. Wenn die Zahlen genauer angeschaut werden, ist festzustellen, dass lediglich jeweils eine Person mehr bei den Amtsleitungen und den Fachdienstleitungen gezählt werden können. Der relativ gute Prozentwert (37,69%) ergibt sich im Wesentlichen nur deshalb, weil die Bereichsleitungen jetzt mit dazu gezählt werden. Würden die Bereichsleitungen nicht berücksichtigt, wäre der Anteil  der Frauen in Führungspositionen lediglich 31,08 % – aber zumindest höher als 2012 (25,3%).

Sie wollen von den 130 Führungskräftestellen vier neu besetzen, mindestens 50 % mit Frauen (Seite 17). Das ist gut, aber nicht gut genug. Das ergäbe einen Anteil von 51 Frauen, in Prozent ausgedrückt 39,2 %, zielführender wäre, alle vier aus Altersgründen frei werdenden Führungspositionen (Amts- und Fachdienstleitungen) mit Frauen zu besetzen, das Ergebnis wäre dann immerhin ein Anteil von rd. 41%! Denn –

Anrede,

wir haben in unserem Wahlprogramm u.a. eine Frauenquote von mindestens 50 % in mittleren und höheren Führungspositionen gefordert. Diese Forderung ist nach wie vor berechtigt und sollte auch das Ziel der Stadtverwaltung sein!

Teilzeit

Bei den Frauen gibt es eine Teilzeitquote von 58,3 % und bei den Männern nur einen Anteil von 14,6%.  Hier hat die Verwaltung auch in Zukunft die Herausforderung zu bewältigen, den Anteil von Männern in Teilzeit zu erhöhen. Auch der Anteil der Väter in Elternzeit, rund 18 %, ist ausbaufähig. Wir stellen hier einen großen Nachholbedarf der Männer in punkto „Vereinbarkeit von Familie und Beruf“ fest.

Wissenswert wäre in dem Zusammenhang, wie viele Stunden in den so genannten Teilzeit-Beschäftigungsverhältnissen jeweils gearbeitet wird.

Ich denke, so lange Vollzeitbeschäftigung mit 39,5 oder 40 Stunden definiert wird, gibt es auf der anderen Seite die „Teilzeitbeschäftigungen“ mit vielen Stundenvarianten. Diese beiden traditionellen Beschäftigungsarten begünstigen die ungleiche Verteilung von Erwerbs- und Sorgearbeit. Dabei ist statistisch bewiesen, dass Frauen wesentlich mehr Sorgearbeit in ihren Familien- und Freundeskreisen verrichten als Männer. Und das sicherlich nicht deshalb, weil Männer sich generell verweigern. Unserer Auffassung nach ist es dringend an der Zeit, die politische Zeit – Debatte zu führen. Für mich gehört dazu auch die Frage der grundsätzlichen Verringerung der Vollzeitstelle.

Berufswahl / Erzieher

Warum wir kaum Erzieher in unseren Kitas beschäftigen, ist klar. Aktuell gibt es die tarifliche Auseinandersetzung um die Besserbezahlung dieser und anderer pädagogischen Fachkräfte. Erst wenn diese sozialen Berufe ebensolche Wertschätzung erfahren wie z.B. die technischen Berufe in Form von höheren Entgelten, werden sich Jungen auch für diese Berufsausbildungen interessieren. Da nützen die Zukunftstage wahrscheinlich nicht so viel, wobei wir grundsätzlich begrüßen, dass Jungen und Mädchen sich so genannte geschlechtsuntypische Berufsbereiche anschauen.

Gute gemischte Teams sind, Sie verweisen in Ihrem Plan darauf, zufriedener und erfolgreicher. Wir wünschen der Verwaltung viel Erfolg auf dem eingeschlagenen Weg. Vor allem bei den Eigenbetrieben AWB (Abfallwirtschaftsbetrieb) und EGH (Eigenbetrieb Gebäude und Hochbau), wo es sicherlich eines besonders langen Atems bedarf!


 

Das Altpapier und das Gemeinwohl

Einverstanden, die Stadt hat das Thema schlecht kommuniziert. Richtig schlecht. Aber jetzt ist auch mal gut. Inhaltlich handelt die Stadt äußerst verantwortlich, denn in der jetzigen Auseinandersetzung zeigt sich deutlich, worum es geht: Um möglichst hohe Gewinne! Hier vermischen sich unterschiedliche Ebenen der Betrachtung, denn für eine Stadtverwaltung ist das Gemeinwohl kein hehrer Auftrag, sondern von Gesetzes wegen vorgeschrieben. Zum Hintergrund sei kurz beschrieben, dass die Stadt seit Januar diesen Jahres das Altpapier seiner Bürger_innen nun selber abholt. Damit ist das Ziel verbunden, mit den Verkaufserlösen die Müllgebühren konstant zu halten oder sie vielleicht gar zu senken. Rechtlich ist die Stadt auf der sicheren Seite, denn das Kreislaufwirtschaftsgesetz räumt Kommunen ein Vorrecht bei der Verwertung von Altpapier ein. So hat die Stadt sechs neue sozialversicherungspflichtige Arbeitsplätze geschaffen mit vernünftigen Arbeitsbedingungen für diese Beschäftigten.