Wohnungslos in Oldenburg

Wo putzen sie sich die Zähne, wenn sie keine Wohnung haben? Wohnungslosigkeit ist ein verdrängtes Phänomen am Rande unserer Wohlstandsgesellschaft. Dabei ist ein Dach über dem Kopf für uns alle eher selbstverständlich.

Der sogenannte Tagesaufenthalt der Diakonie im Oldenburger Land  an der Ehnernstraße bietet Wohnungslosen qualifizierte Hilfe an. Es gibt alkoholfreie Getränke, Mahlzeiten, Gelegenheit zu duschen und Wäsche zu waschen. Unter bestimmten Voraussetzungen kann eine postalische Erreichbarkeitsadresse eingerichtet werden.

Nun ist es so, dass das städtische Gebäude in der Ehnernstraße, in der der Tagesaufenthalt seit 1987 Jahren untergebracht ist, stark sanierungsbedürftig ist und die Stadtverwaltung seit mindestens fünf Jahren gemeinsam mit der Diakonie nach einem alternativen Standort in der Stadt auf der Suche ist. Beeinträchtigt wird die angebotene tägliche Hilfe durch einen Teil der „Drogenszene“, der sich auch vor dem Gebäude aufhält. Für diese Drogenkranken gibt es in Oldenburg keinen öffentlichen Szeneplatz. Die Szene wurde aus dem Innenstadtbereich verwiesen. Die Menschen vor dem Gebäude und umzu sind mehrheitlich nicht diejenigen, die von der Diakonie in allen Fragen der Wohnungslosigkeit oder drohender Wohnungslosigkeit beraten werden und auch unterstützen werden möchte.

Etwa 250 Interessierte nahmen an der Informationsveranstaltung der Stadtverwaltung in der OBS Osternburg teil.

Etwa 250 Interessierte nahmen an der Informationsveranstaltung der Stadtverwaltung in der OBS Osternburg teil.

Bei einer städtischen Informationsveranstaltung in der Oberschule Osternburg zu einem möglichen Wechsel des Tagesaufenthaltes in die Cloppenburger Straße waren etwa 250 Interessierte gekommen, die in der Mehrzahl von Ängsten um ihre Kinder bestimmt waren und diesen Umzug ablehnten. Leider ist es so, dass sich die Anzahl der Besucher*innen des Tagesaufenthaltes seit 2012 verdoppelt haben, so dass die Stadtverwaltung prüft, ob sie nicht einen zweiten Tagesaufenthalt in der Stadt eröffnet.

Bei den Diskussionen in der Öffentlichkeit ist häufig unterstellt worden, dass die Drogenszene dem Tagesaufenthalt „hinter her zieht“. Das sei nicht der Fall, wenn die sozialen Angebote verbessert und ausgebaut würden, so die Einschätzung der betreuenden Sozialarbeiter*innen.

Im achten Kapitel des  12. Sozialgesetzbuches wird in den Paragraphen 67 – 69 die „Hilfe zur Überwindung besonderer sozialer Schwierigkeiten“ beschrieben. Wir GRÜNEN müssen leider feststellen, dass sich unsere an sich so materiell wohlhabende Gesellschaft zu Lasten von immer mehr Menschen dramatisch verändert: Arbeitslosigkeit, familiär gravierende Veränderungen, psychische oder physische Erkrankungen gehen der Wohnungslosigkeit in den meisten Fällen voraus, zunehmend begleitet von Drogenabhängigkeiten. Und gerade diese Mehrfachproblematik ist es, die es immer mehr Wohnungslosen schwer macht, ins bürgerliche Leben zurückzukehren. Das Leben am Rande der Gesellschaft wird für sie zum Dauerschicksal.

Die Stadt Oldenburg, die sich zudem durch den Kommunalen Aktionsplan Inklusion verpflichtet hat, für Menschen in besonders schwierigen Lebenslagen zu sorgen, ist nun gefordert ein Gesamtkonzept zur Suchtberatung und Suchtprävention vorzulegen, da das bisherige Angebot offensichtlich Lücken hat, die durch eine reine Standortverlagerung nicht geschlossen werden. Die Diskussion muss nunmehr in den Ratsgremien erfolgen. Dabei müssen die Anregungen und Sorgen, die auf der Veranstaltung in Osternburg genannt werden, Berücksichtigung finden. Die GRÜNEN haben für den nächsten Sozialausschuss einen entsprechend Antrag gestellt.

Veröffentlicht in Aktuelles Getagged mit: , , , , , , , , ,